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Folge 4: Und was dann? – Teil 2

Noch beschäftigt uns die Krise, doch es wird auch eine Zeit „danach“ geben. Was sehen Experten auf uns zukommen und wie bereiten wir uns am besten darauf vor?

In Österreich kämpfen wir uns derzeit durch die sechste Woche der Ausgangsbeschränkungen. Neben vorsichtigem Optimismus – die Zahlen stimmen hoffnungsfroh, es sieht aus, als würde all das Social Distancing seinen Zweck erfüllen – darf man sich also auch wieder mehr Gedanken an die Zukunft erlauben. Was lernen wir aus der aktuellen Krise und wie sieht die Arbeitswelt nach Corona aus? Welche Entwicklungen wird es in Bezug auf HR und Recruiting geben? 

Wir haben mit zwei Experten darüber gesprochen – unseren BEST-RECRUITERS-Studienbeiräten Prof. Dr. Wolfgang Elšik, stellvertretender Leiter des Instituts für Personalmanagement an der Wirtschaftsuniversität Wien, und Kuno Ledergerber, Dozent und Berater für Human Capital Management von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften.

Aktion statt Reaktion

Kuno Ledergerber

Kuno Ledergerber von der ZHAW erkennt die Kommunikation als Schlüssel für den richtigen Umgang mit der aktuellen Krisensituation. Er rät HR-Abteilungen und RecruiterInnen, die Zeit zu nutzen, sich strategisch zu positionieren, damit später nicht nur reagiert sondern auch proaktiv agiert werden kann. Es gelte demnach gerade jetzt, Prozesse zu optimieren, Daten auszuwerten, das Backoffice aufzuarbeiten. Wie es nach der Krise weitergehen wird, hängt laut Ledergerber stark davon ab, wie schwerwiegend die derzeitige Wirtschaftskrise sich auswirkt. Es sei jedoch davon auszugehen, dass sich die Lage früher oder später wieder entspannen wird, denn gerade die Wirtschaftsgeschichte zeige, dass nach jeder Talfahrt auch wieder ein Aufschwung kommt. Recruiter sollten jedenfalls aber nicht den Fehler machen, „back to the roots“ gehen zu wollen, sondern stattdessen gerade jetzt neue Wege suchen. Das betreffe besonders jene Organisationen, die bisher traditionell gearbeitet haben. Denn MitarbeiterInnnen und BewerberInnen merken im Moment verstärkt, dass digitale Prozesse gut funktionieren, und werden die Integration dieser demzufolge auch in Zukunft verstärkt einfordern.

Eine wesentliche Veränderung sieht Ledergerber aber dennoch im Bewerbermarkt: Die Zeiten des „Kirschenauslesens“ für KandidatInnen werden nach der Krise vorerst vorbei sein, viele werden sich auch auf Stellen bewerben, auf die sie sich unter normalen Umständen vielleicht nicht beworben hätten. Der Marktlogik folgend erwartet Ledergerber deshalb eine kompetitivere Situation als zuletzt, hält diesen Trend aber für temporär. Aus Einsparungsgründen ist ein gewisser Druck auf die Löhne zu erwarten, den die BewerberInnen so akzeptieren werden (müssen), die Prämisse laute für viele besonders nach der Krise: „Ich arbeite lieber für weniger Geld als gar nicht.“

Fest stehe jedenfalls, dass eine langfristige Massenarbeitslosigkeit auch für Unternehmen schädlich wäre. Solange nämlich die Kaufkraft der KonsumentenInnen überwiegend vom Arbeitseinkommen abhänge, liege es auch im Interesse der Unternehmen, eine langfristige Massenarbeitslosigkeit zu vermeiden.

Aus der Situation lernen

Bestehende MitarbeiterInnen sollten angeregt werden, die neuen Arbeitsweisen und -mittel auch zu nutzen. Online-Learning zur Weiterbildung etwa sei dabei ein valides Mittel. Schulen etwa, sonst „ja nicht gerade die innovativsten Strukturen“, zeigen aktuell, dass die Umstellung auf digitales Lernen relativ schnell und problemlos klappt, wieso also diese Vorgänge nicht auch ins Unternehmen einbinden?

Der Schlüssel, die aktuelle Krise gut zu meistern, liegt auch für Kuno Ledergerber in der Kommunikation. Aktuell sei es entscheidend für PersonalistInnen, empathisch zu handeln, MitarbeiterInnen offen und ehrlich über Vorgänge und Veränderungen im Unternehmen zu informieren. Wer jetzt beispielsweise die Unwahrheit sagt und gekündigten MitarbeiterInnnen verspricht, sie nach der Krise wiedereinzustellen, dies aber nicht einhalten kann, wird später mit einem nachhaltigen Image-Problem zu kämpfen haben. Arbeitgeber haben eine Fürsorgepflicht gegenüber den Arbeitskräften, diese gelte es mehr denn je wahrzunehmen. Immer wieder höre er von Unternehmen, bei denen die Personalabteilungen sich seit Beginn der Krise noch kein einziges Mal an ihre MitarbeiterInnen gewandt haben – ein massives Versäumnis, denn es sei derzeit besonders wichtig, dafür zu sorgen, dass Angestellte sich sicher fühlen, auch im Homeoffice nicht vereinsamen und in Kontakt bleiben.

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